
"Öruggasta leiðin til að ferðast er að ferðast ein"
(Der reist am Sichersten, der allein reist)
Prolog
Was für ein Jahr!
Und da spreche ich noch gar nicht mal über das Reisen, um das es hier ja eigentlich gehen sollte. Corona hat wirklich Alles verändert, wie man sich das wohl niemals hätte je vorstellen können und erst recht nicht wollen. Schule, Beruf, Einkaufen, Kontakte, Gesundheit, Vorsorge und nicht zuletzt auch das Reisen.
Eigentlich wollten wir über Ostern in die USA reisen - es sollte mit Nils und seiner Freundin zu viert nach New York gehen und wir (Cordu und ich) wollten vorab die Ostküstenstädte Washington und Philadelphia besuchen. Wie immer war schon alles gebucht und wesentliche Teile natürlich auch schon bezahlt. So funktioniert (oder soll ich sagen funktionierte?) die Reisebranche nunmal bis dato. Fluggesellschaften, Hotels, Reiseveranstalter, Mietwagenfirmen, Touranbieter - alle lassen sich ihre Leistungen vorab bezahlen und leisten teils erst Monate später - meines Wissens nach ist das die einzige Branche, in der das so funktioniert. Und dann kommt der Super-Gau für den Reisenden - nicht nur das von heute auf morgen Reisen nicht mehr möglich war, nein, auch das Geld haben wir natürlich nicht auf Anhieb wiederbekommen. Wie sollte das ehrlich gesagt auch funktionieren? Die Reisebranche hat ja in der Vergangenheit immer auf Pump gelebt und konnte somit vielfach ohne staatliche Unterstützung auch nichts zurückzahlen. Eigentlich schon unglaublich, dass man zum Einen die Branche vorfinanziert und das Geld nicht wiederbekommt und dann im nächsten Schritt mit seinen Steuergeldern die Branche erneut unterstützt. Und da hilft es auch nicht, im Recht zu sein - wo kein Geld und kein Willen ist, wird nicht zurückgezahlt. Ich schreibe diesen Bericht Anfang August 2020 und habe Teile der Zahlungen bis heute nicht erhalten (bezahlt habe ich die Reise Ende 2019!).
So genug davon - wie kommt es denn nun zu Island?
Eigentlich sollte es dieses Jahr vor Spätherbst keine Möglichkeit für Urlaub geben, da sich aber auch beruflich kurzfristig Änderungen ergeben haben, hieß es plötzlich: "Und nun?"
Ich musste dringend mal raus und auf andere Gedanken kommen und Island bot sich als eines der wenigen Reiseländer auch in Zeiten von Corona dafür an. So gab es bei Abreise 10 Fälle auf der Insel - überschaubar. Zum Zeitpunkt meiner Reise musste man am Flughafen von Reykjavik einen Corona-Test machen und wenn der negativ ist, kann man frei auf der Insel reisen - ohne Maske! Natürlich mit Abstand und der Notwendigkeit an den Flughäfen in Deutschland und Island sowie während des Fluges Maske tragen zu müssen. Und da kommen wir auch schon zum vielen "Ich" in diesem Text. Cordu wollte sich die Maskentragerei bis Reykjavik einfach nicht antun und so bin ich zum ersten Mal in meinem Leben alleine gereist. Klingt komisch, ist aber so 😎.
Der Plan war, die Ringstraße einmal im Uhrzeigersinn zu fahren und dabei insbesondere den Norden und den Osten der Insel zu besichtigen. Ebenfalls zum ersten Mal in meinem Reiseleben sollte der Fokus voll auf der Fotografie liegen, sonst bin ich ja eher ein Reisender, der auch fotografiert. Wie sagt man so schön "zum Ersten kommt es anders und zum Zweiten als man denkt". Meine Reise hat zwar planmäßig in Richtung Norden begonnen, aber aufgrund der extremen Wetterlage musste ich zwischenzeitlich umdisponieren und bin dann doch in den Süden gereist. Das Wetter im Norden war zum Zeitpunkt meiner Reise so bescheiden - Dauerregen, Sturmwarnungen, Erdbeben und 2 Grad Celsius - dass ich kurzerhand zwei Hotels storniert habe und doch in den mir schon bekannten Süden gefahren bin, wo das Wetter sehr viel besser war. Zum Glück bietet Island so viel Schönes, dass ich auch hier problemlos viele neue, mir noch unbekannte Ziele anlaufen konnte und somit auch das Fotografieren Spaß gemacht hat.
Bleibt noch die Frage, die ich hier schon beantworten kann: Wie war denn das Reisen in Zeiten von Corona? Es war super! Island ist zum Einen so dünn besiedelt, dass man immer Fleckchen findet, an denen man alleine oder zumindest fast alleine ist, zum Anderen waren aufgrund der besonderen Umstände nahezu keine ausländischen Touristen auf der Insel. Nur die Einheimischen hat man getroffen, was nicht verwunderlich scheint. Normalerweise verbringen die meisten Isländer ihren Urlaub im Ausland, ist das Wetter hier doch oft eher bescheiden. Aktuell müssen aber alle Isländer, die von Reisen (egal aus welchem Reiseland) zurückkommen, 10 Tage in Quarantäne und das will sich natürlich keiner antun. Somit habe ich fast ausschließlich isländisch gehört (und nicht verstanden 😂) und wohl den bislang touristisch am Wenigsten besuchten Sommer auf Island der letzten 20 Jahre erlebt - Alles richtig gemacht!
So und nun viel Spaß mit dem Reisebericht!
Hafa gaman!